Spotted: Pelzkragen from Hell

Von Andrea Bornhauser, 23. Dezember 2016

Eins gleich vorweg: Ich besitze seit fünf Jahren eine schwarze Daunenparka vom Label Canada Goose. Sie wärmt mich in eisigen Tagen wie diesen und das viele Geld, das ich für sie ausgegeben habe, hat sich deshalb gelohnt. Wärmespender hin – oder her, als Erstes habe ich bei der Parka den Pelzkragen aus Fell des in der kanadischen Wildnis lebenden Coyoten weggezippt. Schon damals wollte ich kein totes Tier um die Schultern tragen. Sollen die in der Arktis das tun, dort macht der Pelz aufgrund eisigster Temperaturen wenigstens Sinn. Und für Polar-Expeditionen hat Canada Goose diese Jacken ursprünglich auch konzipiert. Hier in Zürich, auf dem Arbeitsweg, beim Warten auf den Bus oder beim Rauchen vor der Bar gehts gut ohne eine Pelzumrahmung des Gesichtes. Finde ich zumindest.

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Sehe ich mich dieser Tage auf den Strassen um, wird mir konstant schlecht: Soviele opulente Echt-Pelzkrägen an Jacken und Parkas wie diesen Winter sind mir schon lange nicht mehr entgegen geflauscht. Vor allem bei jungen Leuten! Sogar bei Kindern! Dies entgegen meiner anfänglichen Hoffnung, dass dieser Trend nun in diesem Winter endlich passé ist. Weil er sowohl optisch, vom Zeitgeist her (Stichwort Vegan, Superfood, Yoga, Detox, Bio, Nose to Tail, Food Waste you name it) und vor allem aber moralisch schlichtweg mit einem einigermassen aufgeklärten Menschenhirn nicht zu vereinbaren ist. Denn sind wir mal ehrlich: Vor den Undercover-Videos von chinesischen Pelzfarmen auf Facebook und anderswo kann man schlecht die Augen verschliessen. Oder eben doch?

Ich hab mich übrigens damals vor dem Kauf meiner Parka bei Canada Goose erkundigt, woher der Pelz stamme. Sie haben dann einen Fackel mit einem Zertifikat geschickt, aus dem hervorging, dass ihr Pelz von wildlebenden Coyoten stamme (Koyoten sind kleinere Wölfe), die aufgrund einer vom Staat Kanada festgelegten Quote regelmässig geschossen werden, um eine Überpopulation zu verhindern. Ähnlich wie beim Schweizer Rotfuchs. Da werden die Felle der geschossenen Tiere auch grösstenteils verbrannt. Das hat mir damals ziemlich eingeleuchtet, und ehrlicherweise auch mein schlechtes Gewissen etwas gemildert. Aber, sind wir nochmals ehrlich: So viele Pelze, wie momentan zur Schau getragen werden – das kann ja nur mit Tierquälereien verbunden sein. Da braucht es unendlich viele davon, und schnell. Grauenhaft, was das für die Tiere heisst.

PS. Ich finde es grossartig, wie Warenhäuser wie Globus oder Manor nun anfangen, Pelz aus ihrem Sortiment zu werfen. Dann besteht ja noch Hoffnung für nächsten Winter.

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