Italienischer Jungdesigner setzt auf Urban Streetwear

Von Claudia Müller, 12. Mai 2015

Eigentlich wollte er Papst werden. Jetzt ist er eben Designer geworden. Luciano Parisi habe ich in Mailand getroffen. Weil er so gar nichts mit italienischer Bling-Bling-Mode am Hut hat. Ein Gespräch mit einem jungen Mann, der ungewollt den Zeitgeist trifft.

Er kommt zu spät. Red Bull in der Hand, Muse Svetlana an der Hand. Er in Schwarz, mit Rock, Sie ganz in Rot in Hosen. Der 30-jährige Römer sprudelt gleich drauflos, gestikuliert mit seinen Händen, die mit vielen Ringen geschmückt sind. Am Hals eine Kette mit Kreuz. „Ich habe Politikwissenschaft studiert, merkte allerdings früh, dass dies zwar interessant ist, aber nichts für mich.“ Ein Überbleibsel seines Studiums ist allerdings in seiner Brand-DNA übergegangen. „The Sign“ nennt er eine unabhängige Republik.

Urban Streetwear

Warum aber Streetwear? „Das passt zu mir, ich war Graffiti-Künstler, das urbane Leben hat mich immer inspiriert.“ Nach dem erfolgreichen Studium 2011 an der IED (Istituto Europeo di Design) IED, gewann er auch den Fashion Education „Emerging Talent Contest“. Danach arbeitete Parisi zunächst in Italien, später ging er nach Paris, wo er für das Atelier Montex tätig war, welches heute zur Chanel-Gruppe gehört. Architectural Broderie für Haute Couture – „total was anderes aber super spannend, “ findet Parisi. Seine Mode hat allerdings nichts mit dem französischen Modehaus gemein. Als grossen Designer und Inspirationsquelle nennt er den Belgier Walter van Beirendonck, der zu der einflussreichen Gruppe von Designern „Antwerpener Sechs“ gehört. „Ich liebte den Stil meiner Mutter. Eines Tages fand ich heraus, dass Sie Kleider meines grossen belgischen Idols trug.“

Dream Theme

Wer sich Parisis neuste Kollektion Dream Theme anschaut, erkennt das Wortspiel auf den ersten Blick. Basketball, die 90er-Jahre, Magic Johnson & Co. Sie waren ein grosses Dream Team. Bei Parisi trifft Sportbekleidung auf Mode, die mit der Technik des Thermowelding auskommt. Keine Ränder, keine Naht, Stoffteile werden durch Hitze zusammengefügt. Obwohl Parisi nichts vom Einheitsbrei hält, den man auf den Strassen sieht, könnte seine Kollektion beim Mainstream Anklang finden. Sportswear für die Stadt ist total angesagt. Weil sie so gut zur „Normcore-Bewegung“ passt, die angestrengt unauffällig sein will.

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Das mit dem Modesystem

Der Name seiner Marke hat er bewusst so gewählt. „The Sign“ – das Zeichen. Ein Markenname, mit dem jeder sein eigenes Zeichen setzen kann, entgegen dem Mainstream. „Mit meinem Brand „The Sign“ will ich weder das Modesystem monopolisieren noch Leute dazu bringen, sich von Kopf bis Fuss in Design zu hüllen, “ erklärt Parisi.

Vor dem Treffen schreibt der Römer mir auch, dass er nichts mit dem Modesystem am Hut hat. Er arbeitet alleine, zu Hause. Ein Atelier kann er sich nicht leisten. Zwei Kollektionen schafft er im Jahr. Dem gängigen Produktionsmarathon der Modehäuser widersetzt er sich somit. Mehr geht eben momentan auch nicht. Von seiner Mode kann Parisi zurzeit nicht leben. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, jobbt er abends als „Door Selector“ bei einer Disco und organisiert Events.

Bei Aussagen von Trendwatchern und allgemeinen Trends winkt der Römer ab. „Das schlimmste ist, wenn mich Leute fragen, welche Farbe gerade angesagt ist,“ sagt er. „Zieh an was dir gefällt, „ sage ich dann. „Immer dieses Schwarz-Weiss!“ fügt er noch hinzu.

Zum Interview erscheint der schlanke und grossgewachsene Designer allerdings in Schwarz. Und auf die Frage hin, ob er für eines der grossen italienischen Modehäuser arbeiten würde, das Teil des Systems ist, antwortet er zögernd: „Eine solche Herausforderung würde ich natürlich annehmen.“

www.mtx-paris.com

www.thesignrepublic.com

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