Crazy for Thierry

Von Christina Duss, 8. Juni 2014

Dussi

Mädchenwochenende in Paris, es regnete. Wir kauften Tickets für die Mittagsvorstellung von «Mugler Follies», des Variétés des Designers Thierry Mugler. Im Foyer des ersten Rangs gab es Champagner gegen einen laminierten Bon (very classy), und zehn Minuten vor Showbeginn schrillte eine Klingel so irritierend laut und lang, dass wir das Glas senkrecht leer machten und in den Saal rannten. Der schwere rote Samtvorhang schob sich beiseite, und es begann eine Show so grandios, wie es niemand von uns erwartet hätte: eine Aneinanderreihung von Szenen mit aufwendigen Kostümen, irren Bühnenbildern, aufregenden Tanzeinlagen, Songs, Artisten, Fashionshows. Durch die Show führten die Muglerettes, eine Insekten-Glam-Pompon-Fetisch-Truppe. Monsieur Mugler erschien in einem Video als halbnackter Gongspieler. Für den Mood einigten wir uns danach, als wir mit Glitzersternen (vom Finale) in den Haaren und noch ganz hihi-haha in einem Café sassen, auf «Achtziger-Homo-Traum und Afrika». Und darauf, dass wir uns an Regensonntagen nie mehr ins Kino oder Museum wagen würden. Denn alles, alles wird immer langweiliger sein als Muglers Verrücktheiten.

Dieser Text erschien in der Rubrik Duss & Das der annabelle-Ausgabe 11

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