Guck, Glamour!

Von Christina Duss, 14. Mai 2013

Paul-Smith-RF13-3104Es gibt Dinge, auch in der Mode, denen man auf keine andere Art als mit Staunen begegnen kann. Etwa dem Sitznachbarn an der London Fashion Week: An der Show von Paul Smith zogen gerade acht Helfer die Schutzfolie vom Laufsteg, als ich zu meinem Sitz rannte, mich zwischen zwei Leute quetschte und mein iPhone rausholte. Ich schaute mich um und bemerkte, dass der Typ neben mir in einem Buch las. Ein Buch im schummrigen Licht in einer Halle der Tate Britain zu lesen, während auf einem der gegenüberliegenden Plätze Anna Wintour ihre Sonnenbrille aufsetzt, ist, als ob man im Backstage neben Rihanna sitzen und sich erst mal ein Spiegelei machen würde. Wenn sich glamouröse Momente ergeben, soll man doch daran teilnehmen, oder nicht? Daran dachte ich kürzlich im Pariser Club Silencio, am Konzert von Bent van Looy. Ich kenne ihn schon lange. Und als seinem Opening Act – einer Performancegruppe – eine Person fehlte, sprang ich ein, den Mann mit Buch im Kopf, und wankte als Hose verkleidet beinahe blind durch den Raum und plauderte in einer Fantasiesprache mit den anderen Hosen.

Dieser Post erschien ursprünglich in der Rubrik Duss & Das in der annabelle N°9 vom 8.Mai 2013

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